Mit Cleverness statt Stromverbrauch gegen die Hitze

Zum Thema umweltfreundliches Heizen finden sich zahlreiche Tipps. Doch was tun, wenn das Thermometer weit jenseits der 30-Grad-Marke steht?

Es ist August in Deutschland und seit Wochen schon vermelden die Wetterfrösche beinahe täglich neue Hitze- und Dürrerekorde. Sehr wahrscheinlich, dass dieser Sommer in die Annalen eingeht. Temperaturen oberhalb der 30-Grad-Marke sind in unseren Breitengraden nicht die Regel – vor allem nicht über einen so langen Zeitraum. Gerade jetzt gilt es, besonders schonend mit Ressourcen umzugehen. Verbraucher sollten daher nicht kopflos den Stromverbrauch steigern, sondern mit viel Köpfchen für Abkühlung sorgen. Unsere Tipps und Tricks, die wir im nachfolgenden zusammengestellt haben, helfen dabei.

So bitte keinesfalls. Was der Kühlschrank vorn an Kälte heraushaut, muss er hinten durch gesteigerte Abwärme kompensieren. Foto: fotolia.com © diego cervo

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Ein bisschen Klimaanlage?

Sie ist ein ziemlich zweischneidiges Schwert, die Klimaanlage. Denn eigentlich löst sie auf einen Schlag sämtliche Probleme, die das heiße Wetter mit sich bringt und hat die Kraft, selbst bei über 35 Grad ein ganzes Haus auf Wohlfühltemperaturen zu bringen. Allerdings geht das einher mit einem hohen Stromverbrauch. Doch Klimaanlage nicht gleich Klimaanlag. Es gibt eine Menge bauartbedingter Unterschiede, die sich direkt auf den Verbrauch auswirken. Ein großes Split- oder Fenstergerät mit genug Leistung fürs ganze Haus ist ein echter Energiefresser. Bei den kleinen mobilen Anlagen gibt es dagegen Geräte mit Energieeffizienzklasse A. Wer also das richtige Klimagerät einsetzt, kann sparen und die Umwelt schonen. Auch beim Betrieb der Anlage sollten Verbraucher auf einige Punkte achten.

  • Den Abluftschlauch nicht ins (halb-)offene Fenster legen, sondern die gesamte Öffnung mit Handtüchern oder Klebeband möglichst dicht verschließen. Auch die Zimmertüren schließen.
  • Nur bei Anwesenheit den Raum kühlen.
  • Nicht die volle Leistung des Geräts abrufen. Temperatur so einstellen, dass sie maximal sechs Grad weniger als die Außentemperatur beträgt.
  • Ist die eingestellte Temperatur erreicht, Gerät abschalten. Die Temperatur im Zimmer durch geschlossene Fenster und Rollläden halten.

Ab in den Keller

Bei Bauherren ist es zwar nicht mehr selbstverständlich, einen Keller ausheben zu lassen. Doch wer einen Keller hat, sollte diesen bei hohen Außentemperaturen effektiv nutzen. Räume, die unter der Erde liegen, heizen sich nicht auf. Sie sind zum einen vor der Sonne geschützt, zum anderen sinkt kalte Luft immer an die tiefsmögliche Stelle. Wem es in den oberen Räumen zu heiß ist, der kann also für eine gewisse Zeit in den Keller umziehen. Steckdosen und WLAN sind oft vorhanden, sodass es sich dort unten gut aushalten lässt. Eine Luftmatratze sorgt zusätzlich für etwas Komfort.

Ein Schuss für die Pflanze, einer für den Gärtner. Dank der Sprühflasche lässt es sich gut aushalten. Bild: fotolia.com © Kzenon

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Braver Blumenbestäuber

Sie stehen in jedem Baumarkt in der Gartenabteilung: Sprühflaschen beziehungsweise Blumenbestäuber. Die leeren Gefäße kosten meist wenige Euro und lassen sich ganz einfach zum Kühlgerät umwandeln:

  • Den Bestäuber mit klarem Wasser füllen
  • Anschließend für einige Zeit in den Kühlschrank stellen.
  • Bei Hitzeanfällen dann das Gesicht, Achseln, Armbeuge und Handgelenke besprühen. Dadurch, dass das Wasser so fein zerstäubt, funktioniert das Prinzip der Verdunstungskälte hier besonders gut.

Auf keinen Fall alte Reinigungsmittelflaschen verwenden. Selbst nach vielen Spülgängen mit sauberem Wasser können sich immer noch Rückstände im Gefäß befinden, die der Haut nicht gut bekommen.

Städtische Brunnen umfunktioniert

Wer bei dieser Hitze unterwegs ist und das Glück hat, an Brunnen oder ähnlichen Wasserstellen vorbeizukommen, sollte kurz innehalten. Einfach die Unterarme für ein paar Minuten eintauchen bzw. unter den Wasserstrahl halten. Hintergrund: Im Unterarm liegen Venen und Arterien ziemlich dicht unter der Haut. Das Wasser kühlt das Blut in den relativ großen Adern. Diese transportieren die Kälte dann im Körper weiter.

Schön kühl: ein Bad für die Füße. Bild: trurnit GmbH

? Trurnit Gruppe

Kühles Bad für die Füße

Ein ganz ähnliches Prinzip funktioniert auch am untersten Ende unseres Körpers, den Füßen. Auch hier verlaufen einige sehr dicke Adern. Bei Hitze daher den Füßen ein kühles Bad gönnen: Dafür kaltes Wasser in eine große Schüssel, in einen Mülleimer oder ein ähnlich dichtes Gefäß füllen und die Füße darin einige Minuten baden. Egal, ob im Büro unter dem Schreibtisch oder zuhause unter dem Ess- oder Couchtisch – das sorgt garantiert für Abkühlung. Damit kein Wasser verschwendet wird, am besten den Inhalt des Gefäßes danach noch zum Gießen verwenden.
Genereller Tipp für den Sommer: Wenn möglich, offene Schuhe tragen oder auch mal Barfuß laufen und den Füßen etwas Luft gönnen.

Kleidung gegen Hitze

Nach wie vor glauben viele Menschen, bei großer Hitze sei es das Beste, einfach so wenig Kleidung wie möglich zu tragen. Doch das ist keine gute Idee. Das Sonnenbrandrisiko erhöht sich, wenn unsere Haut der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist – trotz eincremen. Auch klimatechnisch ist es das falsche Prinzip. Unter direkter Sonneneinstrahlung produzieren wir viel Schweiß. Dieser sammelt sich in dicken Tropfen, die den Körper hinunterrinnen und sehr schlecht verdunsten. Die Schweißtropfen kommen so ihrer Hauptaufgabe nicht mehr richtig nach – der Abkühlung durch Verdunstung.
Kommt dagegen Stoff mit verschwitzter Haut in Kontakt, saugt er sich voll, verteilt die Flüssigkeit über eine viel größere Fläche und lässt sie effektiver verdunsten. Allerdings funktioniert der Abkühlungseffekt nur mit absoluten Naturstoffen wie hundertprozentigem Leinen oder Baumwolle. Je weiter und luftiger Kleidung ist und je mehr Haut sie bedeckt, desto besser der kühlende Effekt. Die Beduinen, mit ihren langen Gewändern, machen es vor.

Südstaaten-Feeling mit Fächer

Man sieht sie in alten Filmen, die in den amerikanischen Südstaaten spielen, bei uns taugen sie meistens nur noch als Deko-Element: Die Rede ist von Fächern. Die älteste Umsetzung eines künstlich erzeugten Luftstroms, der dazu dient, den Schweiß auf unserer Haut besser verdunsten zu lassen. Und tatsächlich gibt es wirklich keinen Grund, nicht auch im Jahr 2018 auf diese jahrtausendealte Technik zurückzugreifen. Insbesondere deshalb, weil man das Ganze auch aus einem DIN-A4 großen Schmierblatt selbst falten kann – auch ohne Origami-Fähigkeiten.

Omas Trick

Früher galt Franzbranntwein als eine Art Universalmittel – vor allem bei Senioren war die Flüssigkeit gegen alle möglichen Zipperlein beliebt. Heute ist das Mittel großteils in Vergessenheit geraten. Doch gerade bei starker Hitze sollte man sich eine Flasche davon besorgen. In Franzbranntwein stecken hochprozentiger Alkohol und ätherische Öle. Der enthaltene Alkohol verdunstet schnell und bringt dadurch einen tollen Kühleffekt, die ätherischen Öle funktionieren ähnlich wie Menthol und sorgen ebenfalls für mehr Frische. Etwas Flüssigkeit aus der Flasche auf ein Taschentuch gegeben und damit Schläfen und die Pulsader-Region am Hals abreiben, hilft direkt. Vor der Benutzung sollte unbedingt auf eventuelle Unverträglichkeiten geachtete werden, die Experten in der Apotheke beraten sicher gern.