EU macht Auto-Herstellern Dampf

Autobauer müssen ab 2020 emissionsärmere Fahrzeuge anbieten. Dann senkt sich der maximal zulässige Ausstoß von CO2 um 35 Gramm pro Kilometer. Für die Konzerne gibt es aber ein Schlupfloch.

Die Europäische Union macht Druck: Sie verpflichtet die Autobauer, ihre Fahrzeuge ab 2020 nur maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen zu lassen. Bisher gilt eine Obergrenze von 130 Gramm CO2. Vertreter der EU-Staaten, des Europaparlaments und der EU-Kommission einigten sich auf die neuen Zielwerte.

Kompromiss zwischen Ökonomie und Ökologie

Irlands Minister für Umwelt, Phil Hogan, kommentierte die Einigung als einen „angemessenen Kompromiss zwischen ökologischen Ambitionen und wirtschaftlichen Überlegungen“. Irland hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Hintergrund dieser Einschätzung sind die sogenannten „Supercredits“. Diese Rabatte erhält ein Fahrzeughersteller, wenn Fahrzeuge seiner Flotte weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Dann können die Autokonzerne ab 2020 klimafreundliche Fahrzeuge gleich doppelt in den durchschnittlichen Schadstoffausstoß der Herstellerflotte einfließen lassen.

Einerseits können die Autobauer so leichter ihre Schadstoffziele erreichen und trotzdem emissionslastigere Fahrzeuge bauen. Andererseits fördert die Regelung der Supercredits auch die Entwicklung emissionsarmer oder -freier Fahrzeuge wie Hybrid-Autos oder Elektro-Autos. Letztere sollen hierzulande bis 2020 eine Zahl von einer Million Fahrzeugen auf den Straßen erreichen.

Umweltschützer sprechen von Mogelpackung

Greenpeace bezeichnete die Brüsseler Beschlüsse als Verschmutzungsrechte für Automobile. Ihr Auto-Experte Wolfgang Lohbeck äußerte sich verärgert über das Verhandlungsergebnis: Wieder einmal zeigt sich die Macht der Autohersteller. Denn Premiummarken wie Daimler und BMW haben es mit Hilfe der deutschen Regierung geschafft, sogenannte Supercredits im Gesetz zu verankern.